(1960-1965) Als John Coltrane wiederholt mit Miles Davis zwischen 1959 und 1960 spielt, erprobt er bereits seine modale Konzeption. Diese besteht hauptsächlich aus der Auflösung funktionaler Obertöne, an deren Stelle nur wenige Akkorde auftreten, die nicht mehr modulieren, was dazu führt, dass man über weite Strecken in einer Tonleiter und damit mehr Betonung melodischer Linien bleiben kann. Coltrane versuchte erneut seinen mehrakkordigen Ansatz (Implikation mehrerer Akkorde), versuchte aber auch die Möglichkeiten eines rein melodischen Spiels. Der endgültige Durchbruch mit diesem Spielstil gelang ihm mit “My Favorite Things”. Zum Thema dieses Walzers von Rodgers und Hammerstein hängte Coltrane eine lange Passage in e-Moll auf, oder nachdem er das Thema in E-Dur wiederholt hatte, und improvisierte die Entladung beider Teile. Das Modal Playing (1960-1965) So konnte er mehr auf die melodische Entwicklung der Improvisationen setzen, sie länger ausdehnen und ihnen mehr Inhalt geben, denn über dem zugrunde liegenden Akkord waren fast alle Möglichkeiten offen. Unter diesen Umständen entwickelte Coltrane nun das, was Andrew White eine polytonale oder polymodale Spielweise nennt. Dies bezieht sich auf die Technik der gleichzeitigen Verwendung von zwei oder mehr diatonischen Skalen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Coltranes Stück “Impressions”. Zur gleichen Zeit begann Coltrane immer öfter Sopransaxophon zu spielen, wobei er einen Ton an der Oboe und dem indischen Nadaswaram gewann. Auf diese Weise erhalten seine Linien eine andere Tonfarbe, die eher an indische und arabische Musik erinnert. Interessanter als diese sind jedoch hauptsächlich die verwendeten Skalen. In der harmonischen Struktur dieses Stückes, das mit “So was” identisch ist, bewegt sich Coltrane nicht nur in d-Moll Dorian und e-Moll Dorian, in AABA-Form abwechselnd, sondern bringt chromatische Illusionen, Tonleitern mit verschiedenen Tönen und anderer Struktur. In dem Maße, in dem Coltrane seine Studien über modale Spieltechnik intensiviert und immer wieder andere, faszinierendere Wege entdeckt, werden seine Soli länger, offensichtlich um zu versuchen, jeden dieser Wege zu verlieren. Nach der Platte “Coltrane”, die den Aufnahmen aus dem Village Vanguard, 1961, noch sehr ähnelt, folgt eine Phase, in der Coltrane versucht, sein Spiel zu veredeln, es reif macht. Er kehrt sogar zum funktionalen harmonischen Spiel zurück, das natürlich den deutlichen Stempel seiner modalen Konzeption trägt. “Crescent” und “A Love Supreme” sind Coltranes reifste Aufnahmen jener Zeit, eine Konsolidierung seines Stils.

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